koeglerjournal 2009/2010
Foto © Thomas Kirchgraber


Wenn die Erfolgsformel für eine Fußballmannschaft „Elf Freunde sollt ihr sein!“ lautet, so halten die Boys aus Eriwan dagegen: „Fünf tun‘s auch!“ Allerdings handelt es sich bei ihnen nicht um Fußballspieler, sondern um Tänzer, die aus der Staatlichen Ballettschule Armeniens hervorgegangen und jetzt erstmals im Carl-Orff-Saal am Münchner Gasteig aufgetreten sind. Eriwan, das ist heute Russlands erste Adresse, was den Tanz der Männer angeht – das, was früher einmal die Puschkin-Klasse am Waganowa-Institut in Leningrad war (als dort noch Nurejew und Baryschnikow an der Stange standen). Heute tanzen die Armenier in führenden Kompanien bei uns, allein vier bei Spoerli in Zürich, aber auch in München, Berlin, Hamburg, Stuttgart und San Francisco. Fünf von ihnen, alle ehemalige Kommilitonen, haben sich für ihr westliches Debütprogramm zusammengeschlossen: die Fünf vom Ararat sozusagen, eine Force de frappe des Männertanzes – und ihr Gang-Leader heißt denn auch mit Vornamen angemessen Tigran (und weiter Mikayelyan) und ist Principal des Bayerischen Staatsballetts und inzwischen im Nationaltheater so beliebt wie Schweinsteiger in der Allianz-Arena.


Sie können so ziemlich alles – und bewiesen es sogleich um ersten Teil ihres „Forceful Feelings“-Programms

Sie können so ziemlich alles – und bewiesen es sogleich um ersten Teil ihres „Forceful Feelings“-Programms – als armenische Prinzen in den Disziplinen „Nussknacker“, „Schwanensee“ und „Don Q“ – sie segeln durch die Lüfte und rotieren wie Dynamos, landen allerdings manchmal etwas stotternd. Ganz ohne Weiber geht die Chose jedoch auch in Armenien nicht, und so haben sie sich für ihre Kavaliers-Kür ihre Partnerinnen aus München und Zürich ausgeborgt, wobei sich die Münchner Daria Sukhorukova mit der erzenen Standfestigkeit ihrer Balancen geradezu als ein Model für künftige Heldinnen-Denkmäler erwies.
Choreografisch interessanter wurde es dann im zweiten Teil, für den sie sich ihre Trainer aus Zürich und Dresden ausgeborgt hatten. Bemerkenswert zu sehen, wie sich Arsen Mehrabyan, der bei Spoerli in Zürich tanzt, viel Choreografie-Handwerk bei seinem Meister an der Limmat abgeguckt hat. Das verrät eine gute Nase, wo der Tiger sein Fleisch wittert.
Und so wurde das Münchner Debüt der Fünf Freunde aus Eriwan – wenn schon nicht zu einer Sternstunde des Balletts, so doch zu der verheißungsvollen Ankündigung, dass die Tanz-Demoskopen vom Ararat kein Nachwuchs-Defizit prognostizieren.

Eine ausführlichere Fassung dieser Kritik in Englisch finden Sie hier in der internationalen Version von tanznetz.de!